Kammerkalender 2022
Der Jahreskalender der Architektenkammer Sachsen soll ein Spiegel der aktuellen Baukultur sein. Daher freuen wir uns über die Veröffentlichung unseres Beitrags im Kalender 2022. Nach der Maxime "Zum Geleit - Freiheit durch Begrenzung" wählte die Jury aus 58 sächsischen Wettbewerbseinreichungen aus. Das Foto von Ken Wagner zeigt das Genossenschaftsgebäude Johannstadt im Monat August. Der Kalender ist in der Geschäftsstelle der AKS erhältlich.
Jahresgruß 2021
Ganz besonders ehrt uns dieses Jahr die Auszeichnung des Genossenschaftsgebäudes Johannstadt mit dem Erlweinpreis der Landeshauptstadt Dresden 2020 und einer Anerkennung beim Architekturpreis 2021 des BDA Sachsen. Außerdem konnten wir den Auftrag für die Sanierung und den Umbau des Alten Schlachthofs in Naumburg zum Theater erhalten und mit der Planung beginnen. Wir freuen uns über den Baubeginn der ersten Dresdner Holzschule in Seidnitz. Auch in Lützen hat der Spatenstich für das Museum Lützen 1632 stattgefunden. Zudem steht die Fertigstellung der Baustellen Kirche Canitz und Stadtbibliothek Wittenberg kurz bevor.
Wir bedanken uns bei allen Bauherren, Handwerkern, Bekannten, Kollegen und Freunden für die gute Zusammenarbeit 2021 und wünschen ein besinnliches Fest sowie einen guten Start ins neue Jahr!
Ausgezeichnet
Genossenschaftsgebäude Johannstadt erhält Anerkennung zum Architekturpreis des BDA-Sachsen 2021
Die Jury unter Mitwirkung von Prof. Volker Staab, Julia Dahlhaus und Dr. Uta Gelbke begründet die Auszeichnungen wie folgt: „…..Die abgerundeten Gebäudeecken und die umlaufende Verwendung der gelb-ockerfarbenen Ziegel erzeugen ein wohltuend ruhiges Fassadenbild. Private Außenräume der Wohnungen sind als Loggien in die Kubatur eingeschnitten, was den präzise gefassten Gesamteindruck unterstützt. In Johannstadt ist ein gemischtfunktionaler und gestalterisch anspruchsvoller Wohnbau entstanden, der zukünftigen genossenschaftlichen Projekten Vorbild steht.“
Genossenschaftsgebäude Johannstadt
Sankt Laurentius

Sankt Laurentius
1362 wurde erstmalig ein Pfarrer in Auerbach erwähnt. Nach einer wechselvollen Geschichte ist heute die Gemeinde Auerbach und Plauen zum Kirchspiel Vogtland mit 11.000 Gemeindegliedern fusioniert. Für die Bündelung von administrativen Aufgaben ist ein zentrales Pfarramt/Verwaltungszentrum zu planen, das neben einer bestehenden Kindertagesstätte und Gemeinderäumen, im Gebäudeensemble am Altmarkt, in Auerbach Platz finden soll. Der Gebäudebestand, bestehend aus drei Häusern, soll hierfür teilweise rückgebaut, ergänzt und neu organisiert werden.
Das neue Gebäude fügt sich in besonderer Weise in die umgebende Bebauung ein. Es nimmt Traufhöhe sowie die Fassadenfluchten benachbarter Gebäude auf und entwickelt daraus eine eigenständige Gebäudegestalt. Die übergeordnete Nutzung des Hauses und dessen Bezüge zur benachbarten St. Laurentiuskirche werden durch Fassadenkomposition und Materialwahl lesbar gemacht. Die unterschiedlichen Bereiche (Kita, Verwaltung, Gemeinderäume) behalten ihren ursprünglichen ‚Ort‘ im Haus. Durch die neue Gestaltung verbindet sich alles zu einer großen Einheit des Gemeindezentrums, welches sich zusammengehörig ‚fühlt‘, obwohl es aus ganz unterschiedlichen Bereichen entsteht.
Theater im Alten Schlachthof

Theater im Alten Schlachthof
Die Stadt Naumburg ist bekannt für ihre Lage in der malerischen Saale-Unstrut-Region, den Naumburger Dom und das Friedrich-Nietzsche-Haus. Was nicht viele wissen: die Stadt leistet sich auch das kleinste Stadttheater Deutschlands. Seit 2009 entwickelte sich das Theater von einer Puppenbühne in ein Ensembletheater. Die Stadt entschied 2020, im leer stehenden Gebäudeensemble des ehemaligen Schlachthofes, eine neue Spielstätte zu errichten. Das zweckgebundene Millionenerbe einer umsichtigen Gönnerin wurde von der Kommune geschickt mit Geldern des Landkreises, sowie Fördermitteln von Land und Bund kombiniert, um die notwendige Investition in die eigene kulturelle Einrichtung zu stemmen.
Der Entwurf nutzt die Grundrisskonfiguration des Bestandes und löst mit einer bescheidenen, aber präzisen Ergänzung, dem neuen Foyer, die Anforderungen an die Raumverknüpfung. Das knappe Budget veranlasste zur Sparsamkeit; es wurde nur unbedingt Notwendiges umgesetzt. Technische Installationen und Oberflächengestaltung wurden abhängig von der Raumnutzung mit unterschiedlicher Intensität und Budget eingerichtet. Der Werkstoff Ziegel ist omnipräsent; frei gelegt, dünn geschlämmt oder als Ziergewand, behalten die Steine ihre Ausdruckskraft und die Fähigkeit, vom Dagewesenen zu berichten.
KZ Außenlager Laagberg

KZ Außenlager Laagberg
Während der NS Diktatur waren im Außenlager Laagberg des KZ Neuengamme ca. 750 Gefangene bis zur Befreiung am 7. April 1945 inhaftiert. Ab 1956 wurden die Lagerstrukturen durch Zeilenbauten und Bungalows in offener Bauweise ersetzt, bis Mitte der 1960’er Jahren alle baulichen Spuren des Konzentrationslagers verschwunden waren. Im Zuge archäologischer Ausgrabungen im Vorfeld einer Neubaumaßnahme wurden Fundamente der ehemaligen Gefangenenbaracke 4 im Frühjahr 2017 frei gelegt. Nach intensiver Diskussion fasste der Stadtrat Wolfsburg den Beschluss, am authentischen Ort des Verbrechens, einen Gedenk- und Lernort zu errichten.
Das neue Gebäude soll sich zu einem Ort der Begegnung im Stadtteil Laagberg entwickeln. Ein offenes Haus, das nicht nur zum einmaligen Gedenken, sondern auch zur täglichen Benutzung einlädt. Ein würdiger Raum der eine intensive Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ermöglicht aber auch Platz für anregende und lebendige Initiativen für demokratische Beteiligungsprozesse bietet. Großflächige Verglasungen schaffen Bezüge zum angrenzenden Stadtraum. Die Stützenstellungen, die die Fundamentreste der Baracken respektieren, referieren auf die Geschichte des Ortes als KZ Außenlager.
Jetzt erhältlich
Peter Zirkel, Till Schuster
Sowjetischer Pavillon. Substanz oder Erscheinung
Der ehemalige Sowjetische Pavillon in Leipzig wurde 1924 als Messehalle für Werkzeugmaschinen errichtet und anfangs auch für Sportveranstaltungen genutzt. In der DDR diente er nach umfangreichen Umgestaltungsmaßnahmen als Ausstellungspavillon der UdSSR, stand später nahezu zwanzig Jahre lang leer und wird nach aufwendigen Umbauten seit 2019 vom Stadtarchiv Leipzig genutzt.
Das Buch skizziert die facettenreiche Geschichte dieses beeindruckenden Gebäudes. Dabei veranschaulichen vergleichende zeichnerische Darstellungen, zeitgenössische Fotografien sowie vertiefende Texte und Interviews die gestalterischen Wandlungen. Sie führten bisweilen zu ideologisch aufgeladenen Wahrnehmungen dieses Bauwerks im Kontext der jeweiligen Gesellschaftssysteme. So wird deutlich, dass neben Fragen des Denkmalschutzes und baukünstlerischen Wertes auch der zeitgeschichtlich-symbolische Zeugniswert des markanten Erscheinungsbildes bei der Sanierung wichtig war, ein Aspekt, der beim Umgang mit Bauten der sozialistischen Ära immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Erlweinpreis für Genossenschafts-gebäude
Eine Jury unter Leitung von Professor Jörg Joppien entschied zum achten Mal über die Vergabe des Erlweinpreises der Landeshauptstadt Dresden. Bau- und Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn zur Preisvergabe: „ …. Besonders jedoch freue ich mich über die Preisträgerarbeit. Sie belegt, dass das sowohl im Äußeren als auch in der Struktur in hoher handwerklicher Qualität konzipierte und in einem städtebaulich heterogenen Umfeld nach diesen Plänen umgesetzte Gebäude einen wundervollen Beitrag zur stadträumlichen und funktionalen Konsolidierung leisten kann. Vor allem aber wird deutlich, dass bezahlbarer Wohnraum nicht gleichzeitig ein billig anmutendes Äußeres haben muss. Mein Dank gilt dem Architekten Peter Zirkel und seinem Team sowie der Bauherrin, der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt, für diesen Beleg, der uns und anderen Planerinnen und Planern, Bauherrinnen und Bauherren Beispiel und Ansporn sein soll.“
Genossenschaftsgebäude Johannstadt
Reparieren - Wie sieht Nachhaltigkeit aus?
Freitag, 29.10.2021, 18:00 Uhr | Symposium des Werkbund Sachsen
Schränken die Konsequenzen der Klimakrise den Spielraum von Architekten und Produktgestalter ein? Ändern sich die Parameter der Gestaltung – brauchen wir eine neue Ästhetik? Diese Fragen sollen im Rahmen eines Symposiums am 29. Oktober 2021 im Zentrum für Baukultur mit folgenden Gästen diskutiert werden:
- Dr. Christian Demand: Philosoph, Berlin
- Dr. Katharina Dutz: Mitglied im Vorstand Reparaturrat Oldenburg
- Dr. Rudolf Fischer: Kunsthistoriker, Leiter Archiv der Avantgarden, Dresden
- Prof. Dr. Niko Paech: Plurale Ökonomie, Universität Siegen
- Katharina Wittke: Architektin, Team Zirkuläres Bauen, Dresden
Moderation: Swantje Karich, Redakteurin im Feuilleton der ‚WELT‘, Berlin
Zentrum für Baukultur Sachsen (ZfBK)
In Kürze
Peter Zirkel (Herausgeber), Till Schuster „Sowjetischer Pavillon: Substanz oder Erscheinung“ Mit Texten von Gregor Harbusch, Wolfgang Kil, Tanja Scheffler und Peter Zirkel, mit Fotografien von Till Schuster sowie einem Gespräch mit Thomas Will. M BOOKS Weimar, 2021.


























